Stopp dem Tagebau in Garzweiler


„Verheizte Heimat“ hieß es auf den Plakaten, die in Orten hingen, wo wegen des Tagebaus die Umsiedlung Tausender Menschen zu erwarten war. Viele der Orta gibt es heute nicht mehr. Ihre Heimat ist dem Erdboden gleich gemacht. Eine unendliche Zahl historischer Häuser vernichtet, alte Kirchen, Baudenkmäler, ersatzlos zerstört, Friedhöfe, Orte des Gedenkens con Generationen, zerstört. Alles wurde dezimiert, was man sich im Leben aufgebaut hatte. Die beiden großen Kirchen engagieren sich seit Jahrzehnten für die betroffenen Menschen. Der damalige Superintendent Peter Beier sagte 1989: „Immer, wenn der fein gesponnene Zusammenhang von Natur und Kultur angetastet wird, sind Christen nach ihrem Glauben gefragt. Sie sind verpflichtet, sich Klarheit zu verschaffen, wo die Grenzen zwischen notwendiger, lebenserhaltender Technik und Ausbeutung, ja Zerstörung der naturgegebenen Zusammenhänge liegen.“ Pfr. Edmund Erlemann betonte: „Das Evangelium nötigt, Partei zu ergreifen für die zu Unrecht Benachteiligten. Das sind die 12 000 von Garzweiler bedrohten Menschen, weil ein solcher Tagebau ein nicht wieder gutzumachendes Unrecht der kommenden Generation gegenüber wäre.“

Vor kurzem trafen sich 200 Menschen aus Bersemich, Keyenberg, Kuckum. Bitter klangen ihre Klagen über ihre neuen Umsiedlungsstandorte. Bis heute aber sagt ihnen die Politik: „Ihr, die ihr Haus, Hof und Land verliert, müsst die Opfer bringen, sonst würden die Lichter ausgehen, und Schwerindustrie verlässt NRW! Wollt Ihr, dass die Väter und Söhne ihren Arbeitsplatz verlieren?“

Der Machbarkeitswahn muss ein Ende haben. Wir glauben, dass die Menschen und die Menschheit nicht ohne Opfer leben können, aber wenn Opfer verordnet werden, haben wir gelernt zu fragen, wozu? Auch heute möchten wir den Betroffenen beistehen. So sagen wir: Haltet den Tagebau an, denn wir haben den Beweis, dass intelligentere, erheblich sparsamere und zukunftsorientierte Energieversorgung möglich ist.

Hans Stenzel, Mitweltbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Jülich